Bio-Adapter

Der Bio-Adapter
"der bio-adapter bietet in seinen grundzügen die meines erachtens erste diskutable skizze einer vollständigen lösung aller welt-probleme. er ist die chance unseres jahrhunderts."
Oswald Wiener
Handlung für Sprecher, Musiker, Elektronik,
Bühne und Licht
nach einem Text von Oswald Wiener
von KARL ein KARL und Peter Schweiger
Mitwirkende
KARL ein KARL, Musik
Peter Schweiger, Regie
Irina Schönen, Prolog
Peter K Frey, Kontrabass, Elektronik
Michel Seigner, elektronische Gitarre
Alfred Zimmerlin, Violoncello
Peter Schweiger, Sprecher
Joëlle Richard, Regiemitarbeit und Assistenz
Barbara Pfyffer, Ausstattung
Rachel Eisenhut, Hospitanz
Ueli Riegg, Licht und Technik
Franziska Weber, Produktionsleitung
Aufführungsdaten und -orte
24. Oktober 2008, 20.00 Uhr
25. Oktober 2008, 20.00 Uhr
Qbus, Uster ZH
30. Oktober 2008, 20.30 Uhr
Palace, St. Gallen
6. Januar 2009, 20.00 Uhr
8. Januar 2009, 20.00 Uhr
9. Januar 2009, 20.00 Uhr
10. Januar 2009, 20.00 Uhr
11. Januar 2009, 17.00 Uhr
Theater Rigiblick, Zürich
1. April 2009, 20.30 Uhr
3. April 2009, 20.30 Uhr
4. April 2009, 20.30 Uhr
Schlachthaus, Bern
2. April 2009, 20.00 Uhr
Théâtre La Fourmi, Luzern
Als 1969 Oswald Wieners Roman "Die Verbesserung von Mitteleuropa" erschien, bedeutete dieses Buch einerseits das real bereits einige Jahre vorher gefeierte Ende der "Wiener Gruppe", andererseits aber setzte es die Summe der sprachkritischen literarischen Experimente und Texte von Konrad Bayer, Gerhard Rühm und Friedrich Achleitner fort. Ohne Ludwig Wittgenstein und die Positivisten wäre der manchmal geradezu kämpferische Ton der Texte gar nicht verständlich, stellen sie doch die Fragen nach der sprachlichen Mitteilbarkeit oder nach dem Problem des autonomen Bewusstseins auf eine so radikale Weise, dass die Antwort darauf nur eine Absage an alle kommunikativen Werte sein kann.
der "Bio-Adapter", als "Appendix A" Teil des Ganzen, wurde bereits in den Jahren 1965/66 geschrieben und stellt den Versuch dar, die vorausgegangenen Überlegungen in einem sich zwar theoretisch gebärdenden, dennoch aber erzählerischen Modell darzustellen. Es ist ein utopisch anmutendes, auf dem damaligen Stand der Computertechnologie aber völlig wahrscheinlich sich ausgebendes Vorgehen, das den lebenden Menschen durch eine ihn völlig ersetzende und in jeder Hinsicht übertreffende Maschine überflüssig macht: Bei gleichzeitigem, gewissermassen grenzenlosem Gewinn an Erkenntnis und Genussfähigkeit.
Dieser Text wurde für unsere Arbeit so weit gekürzt, dass die gesamte Aktionsdauer des geplanten Abends eine Stunde nicht überschreiten wird. Darüberhinaus wurde in die Struktur des Textes auch insofern eingegriffen, als aus der zeitlich und psychisch logischen Folge der Entwicklung des Adapters und der damit verbundenen Eliminierung seines Inhalts eine Art sprunghafter Bewusstseinsstrom entstand: die scheinbar persönlichen Wahrnehmungen schwanken zwischen Rationalität und Exstase, die objektiven Schilderungen berichten in unterschiedlicher Dichte von den Zuständen des Apparats wie seines Inhalts, des Menschen. mit dem Vergehen der Zeit wird die Grenze zwischen beiden immer mehr aufgehoben und die Zuschauenden, Zuhörenden den Reflexionen über ihre eigene behauptete Originalität überlassen.
Peter Schweiger