Franziska Weber

Phone

 
T +41 (0)43 317 99 09
[email protected]

Address

Musik & Kommunikation
Elisabethenstrasse 43
CH-8004 Zürich

Home » >MUSIK » >ARCHIV

Annunciazione

Hans-Jürg Meier

ANNUNCIAZIONE (2008/09)

ÁNEMOS - VOM WEHEN DES WINDES IM VORHANG

Profane Betrachtung zur Verkündigungsszene
in einem zwiefachen Proscenium und einem dreiteiligen Hauptstück (Kompositionsauftrag der Pro Helvetia Schweizer Kulturstiftung)

Texte von Rainer Maria Rilke, Hilde Domin, Virginia Woolf, William Butler Yeats, Mona van Duyn, Dante, antiker Autoren und aus der Bibel

Proscenium

in welchem der Blick in einer historischen Tiefenperspektive auf den Mythos der Leda und den Mithras-Kult im antiken Rom trifft.

Hauptstück

in welchem der Blick sich auf die Thematik der Berufung fokussiert.
Inneres Wissen um einen "vorgegebenen" Weg, der ohne Preis nicht gangbar ist.

Mitwirkende

Muriel Schwarz, Sopran
Alex Potter, Altus

Ensemble Theater am Gleis, Winterthur:
Anna-Katharina Graf, Flöte
Martin Truninger, Klarinette
Yoko Fujita, Violine
Emanuel Rütsche, Cello
Christoph Waltle, Schlagzeug

Conrad Steinmann, Blockflöte und Aulos
Pietro Soldini, Saxophon
Raphael Reber, Bandoneon
Daphne Unseld, Viola
Burkhard Kinzler, Leitung 

Christian Kathriner, Szenographie
Ueli Riegg, Licht
Franziska Weber, Produktionsleitung

Aufführungen

Freitag, 15. Mai 2009, 20.00 Uhr

Theater Rigiblick, Germaniastrasse 99, Zürich
Koproduktion mit dem Musikpodium der Stadt Zürich
Vorverkauf: www.theater-rigiblick.ch, Telefon: 044 361 80 51 oder Migros City, 8001 Zürich, Telefon: 044 221 16 71

Mittwoch / Donnerstag, 27. und 28. Mai 2009, 20.15 Uhr

Theater am Gleis, Untere Vogelsangstrasse 3, Winterthur
Koproduktion mit dem Ensemble Theater am Gleis Winterthur
Vorverkauf: Notenpunkt Winterthur, Telefon: 052 214 14 56

Freitag, 5. Juni 2009, 20.00 Uhr

Gare du Nord, Schwarzwaldallee 200, Basel
Koproduktion mit der IGNM Basel
Vorverkauf: www.garedunord.ch oder Musik Wyler, Telefon: 061 261 90 25

Samstag, 6. Juni 2009, 20.00 Uhr

Ballsaal Herren zu Schützen, Löwengraben 24, Luzern
Koproduktion mit dem Forum Neue Musik Luzern
Vorverkauf: www.forumneuemusikluzern.ch, Telefon: 041 360 56 64

Die Darstellung von sakralen Inhalten und Szenen in der bildenden Kunst der Renaissance ist der Anknüpfungspunkt dieses Projektes. Die für den religiösen Gebrauch bestimmten Bilder hatten damals eine klar definierte gesellschaftliche Funktion. Nicht zuletzt aus dem wiedererwachten Interesse für die Antike setzte sich jedoch ein Prozess in Gange, in dem die religiösen Darstel-lungen zunehmend mit mythologischen oder gar weltlichen Themen überlagert wurden. Dieser Prozess gipfelt unter anderem in der Darstellung des Bartholomäus im Jüngsten Gericht des Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle. Nicht nur wird Bartholomäus' Martyrium, er wurde gehäutet, in Verbindung gebracht mit der mythologischen Geschichte des Wettstreites zwischen Marsyas und Apollo, in welchem der unterlegenen Silene von Apollo zur Strafe gehäutet wurde, sondern Michelangelo geht soweit, den Bartholomäus – in der Gestalt des Torsos Apollos, eines antiken Fundstückes in der Skulpturensammlung des Belvedere –  die abgezogene Haut in der Hand halten zu lassen, in der sich ein Selbstportrait des malenden Künstlers wiederfindet. Diese mehrfache Überschreibung eines an sich religiösen Bildes hat mich fasziniert, da es mir als Betrachter einen weiten Horizont öffnet: die gemalte Szene ist nicht bloss sakral lesbar, sondern sie wird auch ganz konkret relevant für meinen Alltag und mein Leben, ob religiös oder weltlich geprägt.

Ein zweites bemerkenswertes Phänomen ist der in den Bildern wechselnde Stil: zum einen eine stilisierte Darstellungsweise und gleich daneben ein naturalistisches Abbild der unmittelbaren Umgebung. Das Hereindrängen des Lebensraumes – in Gestalt der gemalten Landschaft, der Abbildungen von Städten und den Portraits von Personen (nicht selten des Stifters des Bildes) – hat auch damit zu tun, dass zu jener Zeit für die geistliche Andacht Anleitungen kursierten, in denen angeraten wird, sich die biblischen Geschichten in der eigenen Stadt vorzustellen mit Per-sonen, die man kennt. Das "Personal" und die Begebenheit also in die eigenen Gegenwart zu übertragen, und darin die Geschichte einem inneren Film gleich durchzuspielen. Eine virtuelle Welt, die nur in der Vorstellung stattfindet.

Die "Annunciazione" (die Verkündigung, die Begegnung Marias mit dem Erzengel Gabriel) ist der Bezugspunkt und die Grundlage der musikalischen Darstellung in der Komposition von Hans-Jürg Meier. In grosser Intimität wird der unverheirateten Frau die Mutter-schaft des Gottessohnes angekündet. Die Tragweite dieser Mitteilung leuchtet in diesem Augenblick auf: nicht erst in ferner Zukunft wird eine grosse Aufgabe und werden Unwägbarkeiten zu bewältigen sein. Gemäss den in der Vorbemerkung beschriebenen Prozessen in der bildenden Kunst ist auch diese Geschichte nicht nur in der biblischen Bedeutung lesbar. Vielmehr verdichtet Lukas in der Erzählung dieser schicksalhaften Begegnung eine individuelle Erfahrung, die über die allgemeine, mit der Religion in Verbindung stehende Bedeutung, weit hinaus geht. Es ist von einem Moment die Rede, in dem ich mich für eine Auftrag, beziehungsweise für einen Weg, entscheiden muss. Dabei ist in einem Atemzug klar, dass dieser Weg meinem innersten Bedürfnis entspricht und das Erreichen des angepeilten Zieles eine steinige Wegetappe bedeutet. Das Einschlagen dieser aufleuchtenden Richtung ist verbunden mit einem hohen Preis, sie wird alles von mir abver-langen. Diese zweite Lesart der biblischen Geschichte springt mich an, wenn ich vor einem Fresko oder Tafelbild mit der "Annunciazione" stehe. Für die Komposition soll diese Deutung den inhaltlichen Brennpunkt abgeben. Somit wird deutlich, dass die in der zweitausendjährigen biblischen Erzählung eingefrorene Essenz, auch in unseren Tagen noch eine grundlegende Wahrheit symbolisch gültig fassen kann. Was also bedeutet es, in einem Heute, welches von Grenzenlosigkeit, Alles-ist-Denkbar, Unver-bindlichkeit, Ökonomisierung des gesamten Lebensbereiches geprägt ist, einem Berufungserlebnis ("vocazione") zu begegnen, welches einem klar macht, dass die Zukunft eine bedingungslose Aufopferung und Ausschliesslichkeit bringen wird?

Hans-Jürg Meier

 

Navigation

  • >MUSIK
    • Freunde des Liedes
    • Akkordeon
    • >ARCHIV
      • Annunciazione
      • Aspecte
      • Bio-Adapter
      • Carmen - a bigger bounce
      • Der düstere Dandy
      • Poem ohne Held
      • Tecchler Trio
      • Esther Hoppe
  • >PR UND KOMMUNIKATION
  • >FINANZBUCHHALTUNG
  • >BIO
  • >LINKS

© footer

© Franziska Weber